Demokratie lebt von Menschen, die sich einmischen
Das ASB-Sommerfest setzt Zeichen für Solidarität und eine aktive Zivilgesellschaft
Es war ein warmer, heiterer Sommerabend an der Spree. Der ASB lud im Juli, kurz vor der parlamentarischen Sommerpause, erneut zu seinem Sommerfest ein, dieses Mal im Haus der Kulturen der Welt gegenüber vom Bundeskanzleramt. Ein Abend für Austausch und politischen Dialog. Mit Spannung erwartet wurde die Verleihung des Annemarie-Renger-Preises an Schauspielerin Iris Berben.
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„Wir zeigen, was Zivilgesellschaft leisten kann“
Wir helfen hier und jetzt, lautet das ASB-Credo. „Doch wir wollen nicht nur helfen, wenn Probleme bereits entstanden sind“, sagte ASB-Präsidentin Dr. Katarina Barley zur Begrüßung. Als Hilfs- und Wohlfahrtsorganisation bringt sich der ASB aktiv in politische Debatten ein, als Stimme für soziale Gerechtigkeit und für den Erhalt des Sozialstaats. „Die anstehenden Reformen im Gesundheits- und Pflegebereich werden entscheidend dafür sein, ob unser Sozialstaat das Versprechen von Sicherheit und Teilhabe auch künftig einlösen kann“, betonte Barley. Sie richtete ihren Dank an alle, die den ASB tragen: die Ehrenamtlichen, Mitarbeitenden, Mitglieder und politische Partner: „Wir zeigen hier, was Zivilgesellschaft leisten kann, nämlich nicht nur auf Politik zu warten, sondern selbst etwas zu tun.“
Geistige Unabhängigkeit und Gemeinsinn
Klare Worte für die derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen fand auch die zum Vortrag geladene emeritierte Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Gesine Schwan: „In einer Demokratie, die in meiner Lebenszeit, seit 1943, noch nicht so in Gefahr war wie jetzt.“ Schwan erinnerte an Kants Idee des Gemeinsinns und rief dazu auf, selbst zu denken, dabei mit sich selbst im Einklang zu bleiben und sich zugleich immer wieder in die Lage des anderen zu versetzen. Gesellschaftlicher Zusammenhalt entstehe dort, wo selbstständig denkende Menschen nicht einfach mitrennen, sondern gemeinsam handeln.
Was gesellschaftlicher Zusammenhalt im Konkreten bedeutet, machte sie am Beispiel des ASB deutlich und verwies auf das Gleichnis des barmherzigen Samariters: „Die wunderbare Kraft der Samariterinnen und Samariter zeigt, wie wahnsinnig wichtig für unser Leben Solidarität, das Hingucken, das Helfen ist.“
Wie viel Kraft in diesem Hinsehen liegen kann, zeigt Iris Berben. Für ihren Einsatz für Toleranz und ihren Mut, Position zu beziehen, wurde die Schauspielerin an diesem Abend mit dem Annemarie-Renger-Preis geehrt. Sie setzt sich seit Jahrzehnten gegen Rassismus und Antisemitismus und für Verständigung ein. Sie gibt verdrängten Geschichten Raum und verschafft Stimmen Gehör, die sonst ungehört bleiben. So engagiert sie sich beispielsweise bei der Initiative „Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“.
Preisträgerin Iris Berben: Mut, Position zu beziehen
„Demokratie lebt von Menschen, die sich einmischen. Von Menschen, die nicht müde werden, Ausgrenzung zu widersprechen und Menschenwürde zu verteidigen“, betonte der ASB-Bundesvorsitzende Knut Fleckenstein, als er Iris Berben den Preis überreichte. Worauf Iris Berben in ihrer Dankesrede antwortete: „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, genauso wenig wie Menschenrechte und Frieden.“ Mit Blick auf die im September anstehenden Landtagswahlen und wachsende rechtsextreme Tendenzen machte sie deutlich: „Wir müssen immer wieder darüber nachdenken, wo und wie wir Verantwortung übernehmen können. Vor allem müssen wir uns davor hüten, dass unsere Bequemlichkeit stärker wird als Verantwortung und Gleichgültigkeit stärker als unser Mitgefühl.“ Für ihr Engagement und ihre eindrücklich vorgetragenen Worte erhielt Berben viel Applaus und Anerkennung aus dem Publikum.
Berben spendet Preisgeld an israelischpalästinensisches Verständigungsprojekt Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro spendet Iris Berben an das „Parents Circle Families Forum“. In der gemeinnützigen israelisch-palästinensischen Nichtregierungsorganisation haben sich seit 1995 mehr als 600 israelische und palästinensische Familien zusammengeschlossen, die durch Konflikt, Terror und Krieg im Nahen Osten enge Angehörige verloren haben und sich dennoch gemeinsam für Verständigung und Frieden einsetzen.
Interview
Annemarie-Renger-Preis 2026 für Iris Berben
„Wir müssen vermitteln, dass ihre Stimme zählt“

Text: Christiane Walde
