9. JasimUddin

Was für uns selbstverständlich ist, verändert in Bangladesch Leben

Wie der ASB Menschen mit Behinderung zu einer besseren Zukunft verhilft

In der Stadt Coxʼs Bazar im Südosten von Bangladesch treffen mehrere Krisen aufeinander: wirtschaftliche Not, eine fragile Gesundheitsversorgung, unberechenbare Monsunregen und eine anhaltende Flüchtlingskrise. Seit 2017 sind Hunderttausende Angehörige der Rohingya, einer ethnischen Minderheit aus Myanmar, vor Gewalt und Unterdrückung nach Bangladesch geflüchtet. Die Region von Cox’s Bazar ist dadurch wirtschaftlich, sozial und ökologisch erheblich belastet. Bevölkerungsgruppen, die ohnehin mit strukturellen Benachteiligungen leben, sind davon besonders betroffen.

Für Menschen mit Behinderungen bedeutet dies, dass sie auf sich allein gestellt sind und oft ohne Hilfsmittel oder Therapiemöglichkeiten auskommen müssen, was ihr Leben und ihre Existenz beeinträchtigt. Diese Einschränkungen werden in der Monsunzeit, wenn die Wege unpassierbar werden, weiter verschärft.

Gemeinsam mit seinem lokalen Partner Centre for Disability in Development (CDD) setzt sich der ASB dafür ein, dass diese Menschen – sowohl aus der einheimischen Bevölkerung als auch aus der Gruppe der Rohingya – Unterstützung und neue Perspektiven erhalten. Ziel ist es, Lebensgrundlagen zu sichern und soziale Teilhabe zu fördern, mit einem Ansatz, der medizinische Versorgung, funktionale Unterstützung und Einkommensförderung miteinander verbindet.

Jasim: Mobilität als Voraussetzung für Selbstständigkeit
Einer, der durch diese Hilfe neuen Mut gefasst hat, ist Jasim Uddin. Der 43-Jährige lebte in der Grenzregion zu Myanmar vom Sammeln von Bambus. Als er dabei im Jahr 2020 auf eine Landmine trat, verlor er sein rechtes Bein. Eine orthopädische Behandlung konnte er sich während der Pandemie nicht leisten. Stattdessen stützte er sich vier Jahre lang auf einen einfachen Holzstock und bewegte sich nur mühsam und unter Schmerzen vorwärts. Im Oktober 2024 änderte sich für ihn schließlich alles: Dank des ASB-Projekts erhielt Jasim ein Paar Krücken – seine erste echte Gehhilfe. Diese, so sagt er das, sind eine große Erleichterung: „Meine Krücken sind großartig. Vorher war es viel anstrengender, mich fortzubewegen. Dank der Hilfe, die ich erhalten habe, kann ich nun selbstständig gehen – ohne zu humpeln. Ich habe keine Beschwerden mehr und die Schmerzen sind verschwunden!“

Mit der neu gewonnenen Mobilität eröffnete sich auch eine neue Perspektive für seinen Lebensunterhalt. Da Jasim nicht mehr Bambus sammeln kann, half ihm der ASB, alternative Einkommensmöglichkeiten zu entwickeln. Heute baut er Gemüse für seine Familie an, und er erhielt eine Ziege, mit der er sich schrittweise eine kleine Existenz aufbaut. So kann er wieder Verantwortung für sich und seine Nichte übernehmen, die bei ihm lebt.

Mit seinem Dreirad transportiert Shipon Bananen und Öl. Er führt sein Lebensmittelgeschäft jetzt unabhängig und mit einem Lächeln.

Shipon: Sichtbar werden und selbst entscheiden
Auch Shipon (32) lebt seit seiner Geburt mit einer körperlichen Behinderung. Jahrelang bewegte er sich auf Händen fort. Welche Hilfsmittel es gibt und wie sie den Alltag erleichtern könnten, wusste er nicht, und entsprechende Angebote existierten in Cox’s Bazar lange Zeit nicht.

Nach einer Einschätzung seiner Situation erhielt Shipon ein Dreirad sowie einen Toilettenstuhl. Diese Hilfsmittel ermöglichen ihm heute, selbstständig zu arbeiten und seine Waren zum Markt zu bringen. Er schätzt nicht nur die praktische Unterstützung, sondern auch die neu gewonnene Sichtbarkeit: Shipon wird als aktiver Teil der Gemeinschaft wahrgenommen.

Inklusion braucht Strukturen
Die Beispiele von Jasim und Shipon zeigen, was gezielte und bedarfsgerechte Unterstützung bewirken kann. Im Rahmen des Projekts wurden Maßnahmen ergriffen, die die Inklusion und das gesundheitliche Wohlbefinden fördern. Kleine, bedingungslose Einkommenshilfen wurden zur Verfügung gestellt, um neue Lebensgrundlagen zu schaffen. Nach sorgfältigen Bewertungen und gemeinsamen Diskussionen wählten die Teilnehmenden selbst, welche Form des Lebensunterhalts zu ihrer Situation passt. Dieser Ansatz stärkt Eigenverantwortung und Selbstbestimmung.

Wirkung, die bleibt
Mehr als 3.000 Menschen erhielten dank des ASB-Projekts in Cox’s Bazar bereits medizinische Hilfe, fast 400 bekamen Hilfsmittel wie Krücken oder Rollstühle geschenkt. Über 350 Menschen nahmen psychologische Beratungsangebote in Anspruch, 207 konnten durch Augenoperationen ihr Sehvermögen verbessern. Was nach einem einfachen Hilfsmittel aussieht, bedeutet für sie etwas Unbezahlbares: Handlungsfähigkeit, Selbstbestimmung und ein Stück Zukunft. Zusätzlich erhielten mehr als 50 Familien und Menschen mit Behinderung Starthilfen, um sich eine kleine Existenz aufzubauen – mit Ziegen, Materialien und Werkzeugen für Handarbeit oder Marktständen. Diese Hilfe zur Selbsthilfe fördert Teilhabe und unterstützt Menschen wie Jasim und Shipon beim Wiederaufbau ihres Lebens in Würde. Shipon ist begeistert:

„Ich bin den Menschen, von denen ich dieses Dreirad erhalten habe, aufrichtig dankbar. Jetzt kann ich meine Waren selbst zum Markt bringen. Ich brauche kein Geld mehr für ein Fahrzeug. Auch der Toilettenstuhl hilft mir sehr.“

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Text: Christiane Walde