
Eine Fähigkeit, die weit über die Schule hinauswirkt
Wie der ASB-Schulsanitätsdienst das Engagement und Selbstvertrauen von Kindern und Jugendlichen stärkt
Ein Junge geht mit seinem Großvater am See spazieren, als dieser plötzlich umkippt und bewusstlos liegen bleibt. Der Elfjährige bringt ihn in die stabile Seitenlage, rennt zur nächsten großen Straße, hält ein Auto an und ruft mit Hilfe der Erwachsenen den Rettungsdienst. Sein Großvater wird schnell versorgt. Er hatte einen Schlaganfall. Das entschlossene Handeln seines Enkels hat ihm schließlich das Leben gerettet.
Kenntnisse der Erstversorgung zählen in jedem Alter
Weil der Junge zuvor einen Erste-Hilfe-Kurs an der Schule belegt hat, wusste er, was zu tun ist. Die Geschichte macht deutlich, dass Kenntnisse in der Erstversorgung in jedem Alter zählen. Genau hier setzt der Schulsanitätsdienst an. Beim ASB gehört er seit vielen Jahren zur Nachwuchsarbeit. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche schrittweise an die Notfallhilfe heranzuführen, ihnen Sicherheit im Umgang mit Unfällen zu geben und sie zu befähigen, sich selbst und anderen in kritischen Situationen zu helfen.
Bereits Grundschüler:innen können als sogenannte Pausenhelfer lernen, wie sie Hilfe holen, Pflaster anlegen und Verletzte beruhigen. Sie arbeiten mit Notfallmaterial und übernehmen Aufgaben auf dem Pausenhof. Für ältere Schüler:innen gibt es den Juniorsanitätsdienst und den Schulsanitätsdienst: Die Jugendlichen werden in einem Lehrgang zu Schulsanitäter:innen ausgebildet, übernehmen feste Dienste in der Schule und unterstützen bei Sport- und Schulfesten. „Viele merken durch die Erfahrungen im Schulsanitätsdienst, wie sehr sie das Thema begeistert, und entdecken Möglichkeiten, auf die sie vorher gar nicht gekommen wären“, sagt Anja Müller, Abteilungsleiterin für Breitenausbildung beim ASB Worms/Alzey. In enger Kooperation mit drei Gymnasien koordiniert sie beim ASB den Schulsanitätsdienst in Worms. Entscheidend sei beim Schulsanitätsdienst die kontinuierliche Begleitung durch Lehrkräfte an der Schule und die Ausbilder:innen des ASB. Regelmäßiges Üben in AGs und Fortbildungen hilft den Schüler:innen, Hemmschwellen abzubauen und Sicherheit zu gewinnen.
Für die beiden Abiturientinnen Ina Hörandl und Lisa-Marie Fuldner aus Worms begann der Weg in den Schulsanitätsdienst mit Projekttagen an ihrer Schule. „Davor hatten wir noch gar nicht so viel Kontakt mit der Ersten Hilfe. Uns hat aber dann die Praxis total viel Spaß gemacht, und die Themen, die behandelt wurden, waren interessant. Wir haben dann kein Jahr gewartet, bis wir den Sanitäter gemacht haben“, berichtet Lisa-Marie. Parallel sind die damals 15- und 16-Jährigen der Arbeiter-Samariter-Jugend beigetreten, haben nach und nach weitere Ausbildungen absolviert und kamen in Kontakt mit anderen Bereichen des ASB: Einsätze bei Großveranstaltungen in Worms, Einblicke in den Katastrophenschutz, erste Erfahrungen in der Zusammenarbeit außerhalb der Schule.
Mut haben für die Hilfe, auf die es ankommt
„Man trägt auch eine Verantwortung, wenn man sich im Sanitätsdienst engagiert“, sagt Lisa-Marie. Gerade in stressigen Situationen komme es darauf an, mitdenken und handeln zu können. Und Ina ergänzt: „In dem Moment muss man den Mut haben, etwas zu machen. Denn man selbst ist dann die Hilfe, auf die es ankommt.“ Neben den Einsätzen spielt auch das Miteinander eine wichtige Rolle für die beiden. Bei gemeinsamen Diensten und Veranstaltungen sind enge Freundschaften entstanden.
Aufgrund der prägenden Erfahrungen und ihrer Begeisterung für das Thema haben die beiden gleich nach ihren Abiturprüfungen einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) beim ASB in Worms begonnen. „Beim Zwischenmenschlichen im Patientenkontakt und bei der Arbeit im Team lernt man so viel und ist auf verschiedenen Ebenen gefragt. Und jeder Einsatz ist unterschiedlich“, erläutert Lisa-Marie ihre Entscheidung. Für Ina steht bereits jetzt fest, dass sie in einem Blaulichtberuf arbeiten möchte, etwa als Notfallsanitäterin oder auch bei der Feuerwehr.
Erfolgreiche Nachwuchsgewinnung, die Schüler:innen Chancen eröffnet
Der Schulsanitätsdienst ist damit zugleich ein wichtiger Baustein für die Nachwuchsgewinnung im ASB und trägt dazu bei, dass sich junge Menschen freiwillig oder beruflich in einer Hilfsorganisation engagieren wollen. „Allein die vielen Bundesfreiwilligen, die wir daraus gewinnen, geben unserem Konzept recht“, sagt Anja Müller. „Außerdem schätzen wir die jungen Menschen und ihr Engagement sehr.“ Entsprechend wird der Bereich beim ASB Worms/Alzey gezielt gefördert. Möglich wird das auch durch Fördermittel des ASB-Bundesverbandes, denn Ausbildung, Material und Betreuung erfordern kontinuierliche Investitionen.
Fazit: Den Kindern und Jugendlichen vermittelt der Schulsanitätsdienst nicht nur Erste-Hilfe-Fertigkeiten, sondern eröffnet ihnen auch die Chance, herauszufinden, was ihnen liegt. Gleichzeitig stärkt das Engagement soziale Kompetenzen und das Selbstbewusstsein der Schüler:innen, weil sie Verantwortung übernehmen und sich sichtbar in die Schulgemeinschaft einbringen können. Ein Effekt, der schon bei Grundschüler:innen sichtbar wird und allen ermöglicht, eine kompetente Rolle zu übernehmen, unabhängig von ihren schulischen Leistungen. So lernen Kinder und Jugendliche früh, wie Notfallhilfe funktioniert und dass sie selbst Teil davon sein können. Sie entwickeln die Bereitschaft, im Alltag hinzuschauen und zu helfen – eine Fähigkeit, die weit über die Schule hinauswirkt.

Der Schulsanitätsdienst beim ASB eröffnet Schüler:innen viele Möglichkeiten, sich auszuprobieren und weiterzuentwickeln, wie Ina Hörandl und Lisa-Marie Fuldner (v. l. n. r.) berichten.
Text: Christiane Walde