„Ein Schwimmabzeichen ist der schönste Lohn!“
Tipps für mehr Sicherheit beim Wasserspaß für Kinder
Sommerzeit ist Badezeit. Doch während Freibäder und Seen auf Kinder eine magische Anziehungskraft ausüben, schwingt bei den Eltern oft eine leise Sorge mit: Ist mein Kind am Badesee wirklich sicher? Die Bedenken sind begründet, denn seit 2022 hat sich die Schwimmfähigkeit der Sechs- bis Zehnjährigen kontinuierlich verschlechtert. Woran liegt das?
Wir haben nachgefragt bei Anke Leßmann, erfahrene Schwimmlehrerin für die Kleinsten beim ASB Riesa in Sachsen. Bereits seit den 1990er-Jahren trainiert sie ehrenamtlich Schwimmgruppen mit Kindern.

Anke Leßmann ist seit mehr als 30 Jahren ehrenamtliche Schwimmausbilderin beim ASB Riesa.
Hat sich die Schwimmfähigkeit der Kinder in den vergangenen Jahren verändert? Kommen sie heute mit anderen Voraussetzungen in den Kurs als früher?
Ja, die Schwimmfähigkeit von Kindern hat sich in den vergangenen Jahren drastisch verschlechtert. Der Anteil der Nichtschwimmer unter den Grundschulkindern hat sich zwischen 2017 und 2022 von zehn Prozent auf 20 Prozent verdoppelt. Mittlerweile gelten laut Schätzungen sogar sechs von zehn Grundschulkindern nicht als sichere Schwimmer. Als Ursachen dafür werden hauptsächlich das „Bädersterben“, also die Schließung von Schwimmbädern, fehlende Angebote an Schwimmkursen und soziale Faktoren genannt.
Trotz der guten Bedingungen hier in Riega sehen wir zunehmend, dass unsere Schwimmkurse von den Eltern als kommerzielle Dienstleistung angesehen werden, bei der sie ihr Kind einfach abgeben und nach Kursende als „Seepferdchen-Kind“ wiederbekommen möchten. Dabei vergessen viele, dass es gerade an den Eltern liegt, ihre Kinder zu unterstützen – zum Beispiel mit ergänzenden Übungen zu Hause oder einer Wassergewöhnung im Vorfeld des Schwimmkurses. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Kinder aus armen Verhältnissen, deren Eltern oft nicht in der Lage sind, die Kosten des Schwimmkurses aufzubringen.



Welches Alter ist ideal, um mit einem Schwimmkurs zu starten?
Nach unseren Erfahrungen sollte man am besten im Alter von fünf bis sechs Jahren mit einem Schwimmkurs starten. Theoretisch ist es aber nie zu spät, zu beginnen. Seit 2025 bieten wir einmal im Jahr einen Erwachsenen-Kurs an, weil es den Bedarf daran gibt.
Wie viele Kinder in welchem Alter unterrichten Sie pro Jahr?
Beim ASB Riesa geben wir vier bis fünf Schwimmkurse für Kinder pro Jahr. Dabei bringen unsere Schwimmlehrer:innen und Assistenzkräfte zwischen 80 und 100 Kindern das Schwimmen bei. In der Regel sind die Kinder zwischen fünf und sieben Jahre alt. Darauf aufbauend bieten wir für unsere Mitglieder weiterführende Trainings für Kinder bis zwölf Jahre an, mit 40 bis 50 Kindern in unterschiedlichen Trainingsgruppen. Ab zwölf Jahren beginnen wir dann mit der Rettungsschwimmerausbildung. Von diesem Alter an bis zum Erwachsenenalter sind nochmals weitere 40 bis 50 Mitglieder bei uns aktiv.
Wann gilt ein Kind aus fachlicher Sicht als „sicherer Schwimmer“? Reicht das Seepferdchen dafür aus?
Das Seepferdchen-Abzeichen ist ein Anfang. Es bestätigt dem Teilnehmenden einen Sprung vom Beckenrand, das Heraufholen eines Gegenstandes aus schultertiefem Wasser und eine Strecke von 25 Metern geschwommen zu sein. Alle unsere Anfänger-Kurse schließen mit diesem Abzeichen ab. Ein sicherer Schwimmer ist man damit allerdings noch nicht. Erst die Erfüllung der Prüfbedingungen für das Deutsche Schwimmabzeichen in Bronze gilt als ein Nachweis des sichereren Schwimmens.



Durch das Smartphone sind Eltern oft abgelenkt und nehmen ihre Aufsichtspflicht am Wasser nicht immer wahr. Wie gefährlich ist das?
Die Ablenkung der Eltern, unter anderem durch Smartphones, spielt eine immer größere Rolle. Gefährlich wird es natürlich umso mehr, wenn dies am Wasser, im Frei- oder Hallenbad passiert. Die Eltern haben oft kein klares Bewusstsein für ihre Verantwortung als Aufsichtsperson und meinen, jene am Eingang mit der Bezahlung auf das Badpersonal übertragen zu haben. Dem ist natürlich nicht so. Wasserrettungsorganisationen und Badbetreiber wollen deswegen mit verschiedenen Aktionen das Bewusstsein der Eltern schärfen. Ziel ist es, dass kein Kind mehr unbeaufsichtigt im Wasser ist – egal ob im Freibad, am Strand oder im eigenen Pool zu Hause.
Wie stellt man sicher, dass das Kind die erlernten Fähigkeiten nicht wieder verliert?
Das ist ganz einfach: Nur Übung macht den Meister. Das heißt, regelmäßig schwimmen gehen! Am besten im Verein, denn zusammen mit anderen macht das am meisten Spaß.
Die ASB-Baderegeln in leichter Sprache
Damit der Badespaß sicher und unbeschwert bleibt, sollten die wichtigsten Baderegeln beachtet werden. Wir haben sie speziell für die Kleinsten kindgerecht zusammengefasst.
Das Plakat kann hier heruntergeladen werden:

Text: Alexandra Valentino