
Rheinland-Pfalz

Angepasst an den Bedarf der Kinder und Jugendlichen beraten und unterstützen Anika Hapke und Silke Lachmann vom Kinderschutzdienst des ASB in Worms.
Wenn Kinder Schutz brauchen
Wenn Kinder Schutz brauchen Beratungsstelle des ASB Worms/Alzey bietet Unterstützung und Begleitung
Etwa 150 bis 200 Anfragen erreichen die beiden Mitarbeiterinnen des Kinderschutzdienstes beim ASB-Kreisverband Worms/Alzey pro Jahr. Hier werden Kinder und Jugendliche im Fall von sexualisiertem und körperlichem Missbrauch beraten. Auch Bezugspersonen und Fachkräfte finden in der Beratungsstelle Unterstützung und fachliche Begleitung.
Neben der professionellen Ausbildung brauchen Dipl.-Psychologin Anika Hapke und ihre Kollegin, Dipl.-Sozialpädagogin Silke Lachmann, ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen für ihre Arbeit. Ihre Klienten sind Kinder und Jugendliche bis
21 Jahre – oft in akuten Krisensituationen. „Wenn ein Kind oder Jugendlicher sich noch in einer gefährdeten Situation befindet, gilt es, möglichst schnell den Schutz sicherzustellen“, be-richtet Abteilungsleiterin Hapke. Sofern die Schutzsicherung gewährleistet ist, werden die Kinder und Jugendlichen in der Beratungsstelle gestärkt, um das Erlebte Schritt für Schritt zu verarbeiten und einzuordnen.
Hilfe in schwierigen Lebenssituationen
Etwa 40 Prozent der betreuten Personen kommen über die öffentliche und freie Jugendhilfe zur Beratungsstelle. Zu je einem Viertel wenden sich die Eltern sowie Kindergärten und Schulen an den Kinderschutzdienst. Auch die Polizei, Beschäftigte des Gesundheitswesens oder ehemalige Klientinnen und Klienten sind vermittelnde Personen.
Anonyme Beratung ist möglich
In einzelnen Fällen kommt es vor, dass Jugendliche allein und ohne das Wissen ihrer Eltern die Beratungsstelle aufsuchen. „Natürlich ist auch eine anonyme Beratung möglich“, so Hapke. „Die Beratungstermine finden entweder in der Beratungsstelle selbst oder auf Wunsch der Klienten auch an einem neutralen öffentlichen Ort statt.“
Zwei Drittel der betreuten Kinder und Jugendlichen sind Mädchen, ungefähr 70 Prozent von ihnen wurden sexuell, 30 Prozent körperlich misshandelt. Bei den beratenen Jungen sind die Häufigkeiten genau entgegengesetzt – sie sind zu 70 Prozent von körperlichen Misshandlungen und zu 30 Prozent von sexuellem Missbrauch betroffen.
Vielen Opfern fällt es leichter, sich einer fremden und neutralen Person gegenüber zu öffnen. Derzeit bearbeiten Hapke und Lachmann parallel etwa 40 bis 50 Fälle. „Die Hälfte der Klienten kommen ein bis zwei Mal in die Fachberatung“, informiert Anika Hapke. „Den anderen Teil begleiten wir über mehrere Monate bis hin zu mehreren Jahren.“
„Etwa die Hälfte der Klienten sind zwischen zwölf und 18 Jahre alt, weitere 40 Prozent sind im Kindergarten- und Grundschulalter. Viele Kinder verstehen erst mit Beginn der Pubertät, dass hier großes Unrecht geschieht. Jüngere Kinder sind trotz der erlebten Gewalt oft zunächst loyal, insbesondere wenn die Misshandlungen von einer nahen Bezugsperson ausgehen“, berichtet Hapke.
Im Fall einer Anzeigenerstattung begleiten die beiden Mitarbeiterinnen die Kinder und Jugendlichen auf Wunsch auch zu polizeilichen Vernehmungen oder stellen Informationen zum Ablauf von Gerichtsverhandlungen bereit.
Verlässliche Begleitung mit fachlicher Kompetenz
Die Beratung ist für die Klientinnen und Klienten kostenlos. Wenn eine therapeutische Hilfe notwendig ist, unterstützen die Mitarbeiterinnen die Kinder und Jugendlichen bei der Suche nach einem Therapieplatz. Ein großes Problem ist hierbei jedoch, dass es in allen angrenzenden Therapiesystemen häufig zu langen Wartezeiten kommt, da es an Plätzen mangelt.
„Es ist eine sehr erfüllende, aber zeitweise auch recht belastende Arbeit“, schildert Anika Hapke, die seit 17 Jahren im Kinderschutzdienst Worms tätig ist. Regelmäßige Supervisionen sind da sehr wichtig, um die Kinder gut begleiten und die Arbeit langfristig gesund ausüben zu können.
Die große Zahl betroffener Kinder und Jugendlicher zeigt, wie wichtig Einrichtungen wie der Kinderschutzdienst des ASB Worms sind. Mit fachlicher Kompetenz, großem Engagement und verlässlicher Begleitung bietet er jungen Menschen in schwierigen Lebenssituationen Schutz, Stabilität und neue Perspektiven.
Weitere Informationen unter www.asb-worms.de
ASB-Geschäftsführer Jan Kammerer (links) übergibt die Regenkleidung an den Tagestreff.
Text: Karina Dingebauer