
Hessen

Das FSJ – ein Jahr, das alles verändern kann
Einblicke gewinnen, Verantwortung übernehmen und mitgestalten
Als Leo an seinem ersten Tag in die Senioreneinrichtung geht, ist er unsicher, was ihn erwartet. Ein Jahr später sagt er: „Ich habe anderen geholfen und auch mich selbst besser kennengelernt.“ Für viele junge Menschen beginnt das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) genau so: mit Fragen, mit Zweifeln, manchmal auch als Plan B. Und doch wird es für viele zu einer prägenden und wertvollen Zeit.
„Bei uns können junge Menschen Verantwortung übernehmen und aktiv mitgestalten“, sagt Christoph Schellack aus den Freiwilligendiensten des ASB Hessen. Gemeinsam mit sieben weiteren pädagogischen Mitarbeitenden begleitet er die Freiwilligen während ihrer Einsatzzeit, führt sie in den Arbeitsalltag ein, unterstützt sie persönlich, führt Reflexionsgespräche mit ihnen und koordiniert die Zusammenarbeit mit der Einsatzstelle.
Zeit sinnvoll nutzen
Ob in der Kinder- und Jugendarbeit, in der Seniorenbetreuung, in der Arbeit mit Geflüchteten oder im Rettungsdienst: FSJler:innen sind Teil des Arbeitsalltags. „Ich wollte eigentlich nur die Zeit bis zum Studium sinnvoll nutzen“, erzählt Leo. „Am Ende habe ich viel mehr mitgenommen: Geduld, Selbstvertrauen und das Gefühl, wirklich gebraucht zu werden.“
Auch Sara, die ihr FSJ im Rettungsdienst absolviert hat, erinnert sich an intensive Momente: „Man arbeitet im Team und lernt vieles, was in keinem Schulbuch steht. Schnelle Entscheidungen zu treffen und vor allem, in stressigen Situationen ruhig zu bleiben. Das war eine Kompetenz, die ich bei mir neu entdeckt habe.“
Perspektiven ändern sich
Im Freiwilligen Sozialen Jahr gewinnen die Teilnehmenden erste Einblicke ins Berufsleben. Neben spannenden Erfahrungen lernen sie den Umgang mit schwierigen Situationen und wachsen daran. „Es macht mir bei jedem Jahrgang wieder von Neuem sehr viel Spaß, zu sehen, wie die jungen Menschen in dem Jahr über sich hinauswachsen und begeistert von ihren Erfahrungen berichten“, sagt Christoph Schellack.
Der Freiwilligenkoordinator berichtet: „In den Seminaren diskutieren wir nicht nur gesellschaftlich relevante Themen, die teilweise von den FSJler:innen selbst eingebracht werden, es gibt auch immer einen regen Austausch über die Erfahrungen in der Einsatzstelle. Dabei entstehen oft auch neue Freundschaften. Ich beobachte immer wieder, wie sich bei den jungen Menschen der Blick auf die Gesellschaft und die eigenen Perspektiven verändert.“
Ein Jahr für dich und andere
Vieles, was man im FSJ erlebt hat, wirkt erst mit Abstand nach. Dazu gehören Situationen und Begegnungen, die im Gedächtnis bleiben, ebenso wie Herausforderungen und Erfahrungen, die den eigenen Blick verändern. „Am Ende ihres FSJ berichten mir viele, dass ihnen das Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben und gebraucht zu werden, besonders gefallen hat. Mich begeistern die Energie, die Ideen und die Offenheit, mit der die jungen Leute ihr FSJ absolvieren. Gleichzeitig nehmen sie wertvolle Erfahrungen daraus mit. Ich glaube, genau diese Mischung aus verschiedenen Punkten macht das FSJ so besonders“, bilanziert Christoph Schellack.
Oder, mit den Worten vieler FSJler:innen: „Es war einfach eine richtig gute Zeit.“
Text: Dorothee Faißt
Wissenswertes für die Zeit im FSJ
Voraussetzungen
Erfüllung der Vollzeitschulpflicht und Alter zwischen 16 und 26 Jahren.
Versicherung
Versicherungsschutz in der gesetzlichen Kranken-, Pflege-, Renten-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung. Die Beiträge werden zu 100 Prozent von der Einsatzstelle übernommen.
Urlaub
Der Urlaubsanspruch beträgt 26 Tage bei einem zwölfmonatigen Dienst.
Flexibler Zeitraum
In der Regel dauert ein FSJ zwölf Monate. Eine Verkürzung auf mindestens sechs Monate ist ohne Probleme möglich. Außerdem kann ein Freiwilligendienst (FSJ) zu jeder Zeit im Jahr begonnen werden.
Kindergeld
Auch während eines Freiwilligendienstes besteht Anspruch auf Kindergeld.
Anerkennung
Ein FSJ oder BFD (Bundesfreiwilligendienst) kann als fachpraktischer Teil der Fachhochschulreife anerkannt werden.
Für das Studium wird die Zeit als Wartesemester angerechnet.
Für viele Ausbildungen im sozialen Bereich können FSJ und BFD als Praktikum angerechnet werden. Die Freiwilligen (FSJler:innen) erhalten eine Bescheinigung über die geleistete Zeit und ein Zeugnis, das ausführlich über das Engagement informiert.