Boris Michalowski (unten rechts) mit Mitgliedern der Berliner Einsatzteams bei der Ehrung im Abgeordnetenhaus.

„Unsere Hilfe wurde sehr dankbar angenommen“

Der ASB im Einsatz nach Brandanschlag auf Kabelbrücke in Berlin

Der Winter zeigte sich Anfang des Jahres in der Hauptstadt von seiner härtesten Seite: Am 3. Januar 2026 fiel im Südwesten Berlins großflächig der Strom aus, nachdem mehrere Hochspannungskabel zerstört worden waren. Rund 45.000 Haushalte waren betroffen. Auch Tage später saßen noch Tausende Menschen ohne Wärme in ihren Wohnungen – bei Temperaturen von bis zu minus acht Grad Celsius.

Für viele wurde die Situation schnell zur Belastungsprobe. Heizungen fielen aus, Licht, Internet und Handy – nichts ging mehr. Der ASB Berlin war in dieser Ausnahmelage über sieben Tage hinweg mit bis zu 100 ehrenamtlichen Einsatzkräften zur Stelle. Im Mittelpunkt stand die Unterstützung vulnerabler Menschen.

Über die besonderen Herausforderungen dieses bisher längsten Einsatzes des ASB Berlin berichtet Boris Michalowski, Fachdienstleiter Katastrophenschutz beim ASB-Landesverband.

Herr Michalowski, wann wurde der ASB Berlin über den Einsatzfall informiert und was waren die ersten Maßnahmen?

Wir wurden nur wenige Stunden nach dem Stromausfall alarmiert, angefordert wurden von uns Transport- und Betreuungseinheiten sowie die Besetzung verschiedener Führungsdienste. In kürzester Zeit haben wir Notunterkünfte

eingerichtet – oft unter schwierigen Bedingungen. An der Betreuungsstelle in Zehlendorf versorgten Samariter:innen die Menschen mit Übernachtungsmöglichkeiten, warmen Mahlzeiten und Strom fürs Handy. Gleichzeitig standen Krankentransportwagen für dringende Patientenverlegungen bereit.

Wie haben Sie die Vorgehensweise koordiniert und was stand im Vordergrund?

Wir haben alle Hilfsmaßnahmen in enger Abstimmung mit der Berliner Feuerwehr getroffen, die die Gesamtverantwortung für den Einsatz trug. In der Anfangsphase liefen viele Prozesse parallel; die Maßnahmen richteten sich zunächst nach dem unmittelbaren Bedarf. Anschließend stand die Koordination im Vordergrund: Wer muss verlegt werden – und wohin? Welche Transportfahrzeuge werden benötigt? Was fehlt beim Aufbau und Betrieb der Notunterkünfte? Dank der engen Zusammenarbeit der Berliner Hilfsorganisationen konnte bereits einen Tag nach der Alarmierung eine gemeinsame Führungs- und Organisationsstruktur etabliert werden, die sich in der Praxis bewährt hat.

Wie haben betroffene Menschen die Hilfs- und Betreuungsangebote des ASB erlebt?

Unsere Hilfe wurde sehr dankbar angenommen – besonders von Senior:innen und Familien mit Kindern, die angespannt und verunsichert waren. Viele suchten in der Dunkelheit und Kälte vor allem Orientierung, Wärme und verlässliche Ansprechpartner. Insgesamt blieb die Auslastung unserer Betreuungsstellen jedoch unter den Prognosen, weil viele Pflegeeinrichtungen dank Notstromversorgung weiterbetrieben werden konnten.

In kürzester Zeit und mit vereinten Kräften richtete der ASB Berlin Notunterkünfte ein.

In kürzester Zeit und mit vereinten Kräften richtete der ASB Berlin Notunterkünfte ein.

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Der ASB war im Dauereinsatz quer durchs winterliche Berlin.

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Was jede:r von uns tun kann

Ein längerer Sromausfall wie in Berlin kann die Versorgung mit Wärme, Wasser und Informationen massiv einschränken oder zum Erliegen bringen. Doch wer vorbereitet ist, weiß sich und anderen zu helfen – bis professionelle Hilfe eintrifft. In den Krisenvorsorgekursen des ASB lernen Menschen aller Altersgruppen praxisnah, wie man sich richtig vorbereitet und im Notfall sicher handelt. Hier gibt es weitere Infos.

Welche Erfahrungen haben Sie in diesem Einsatz mit den sogenannten „Katastrophenschutz-Leuchttürmen“ als Anlaufstellen gemacht?

Der Mobilfunk war schon kurz nach Beginn des Stromausfalls nur noch eingeschränkt verfügbar – umso wichtiger waren daher die Leuchttürme als zentrale Anlauf- und Informationsstellen. Dort konnte die Bevölkerung mit verlässlichen Updates versorgt werden. Unsere Konzepte haben sich grundsätzlich bewährt, doch gibt es Ausbaupotenzial: Die Umsetzung ist leider bislang noch nicht einheitlich.

Welche spezifischen Hürden erlebten die Einsatzkräfte vor Ort, wenn sie vulnerable Gruppen erreichen mussten?

Das größte Problem ist die fehlende Kenntnis darüber, wo Menschen mit Pflegebedarf leben, die in solchen Lagen auf besondere Hilfe angewiesen sind. Hinzu kommt: Im Bevölkerungsschutz gibt es nicht genug Fachkräfte mit den notwendigen Kompetenzen, um Menschen mit Pflege- oder Unterstützungsbedarf angemessen zu versorgen – das ist eine strukturelle Lücke, die wir schließen müssen.

Wie stellen Sie während einer mehrtägigen Großschadenslage sicher, dass die meist ehrenamtlichen Einsatzkräfte die physische und psychische Belastung durchstehen?

Resilienz beginnt vor dem Einsatz – das sichern wir durch gute Vorbereitung, achtsame Einsatzführung und konsequente Nachsorge. Im Einsatz arbeiten wir mit Schicht- und Ablöseplänen, festen Ruhezeiten und Führungskräften, die Belastung früh erkennen und Aufgaben anpassen – besonders, wenn Helfende selbst betroffen sind. Nach dem Einsatz folgen strukturierte Nachbesprechungen und bei Bedarf psychosoziale Unterstützung.

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Text: Alexandra Valentino