
Schleswig-Holstein

Gelebte Vielfalt von Anfang an
Wie vorurteilsbewusste Kitas Kinder stark fürs Leben machen
Kinder kommen ohne Vorurteile zur Welt – neugierig, offen und voller Entdeckergeist. Umso wichtiger ist es, dass sie in einer Umgebung aufwachsen, die genau das stärkt. In den ASB-Kitas in Schleswig-Holstein sind die vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung deshalb zentrale Bestandteile der pädagogischen Arbeit. Doch was bedeutet das eigentlich im Alltag – und warum profitieren davon nicht nur Kinder, sondern auch Familien und Fachkräfte?
Jedes Kind sehen – und ernst nehmen
Jedes Kind wünscht sich, gesehen und ernst genommen zu werden. Dies entsteht, wenn es von seinen Bezugspersonen in der Beziehung und in der Ansprache die Botschaft bekommt: Du darfst genauso sein, wie du bist, du gehörst zu uns und hast hier deinen Platz.
In einer Welt, die geprägt ist von Normvorstellungen und manchmal hohen Erwartungen, ist dies für die Fachkräfte in den ASB-Kitas eine große Aufgabe. Im Kita-Alltag heißt das zum Beispiel: Bücher mit unterschiedlichen Lebensrealitäten zu zeigen, in der Beziehung achtsamer zu werden, eine sensiblere Sprache zu entwickeln und Abläufe so zu gestalten, dass keine Diskriminierung, Herabwürdigung oder Ausschluss von Kindern stattfindet. An diesen Stellen mit Hingabe und Kraft zu investieren, lohnt sich. Weil Kinder dort erleben, mit ihrer Geschichte und all ihren Merkmalen gut behandelt zu werden. Und in ihrer Würde geschützt zu sein.
Früh übt sich: Haltung statt erhobener Zeigefinger Vorurteilsbewusste Bildung bedeutet nicht, Kindern „richtiges Verhalten“ vorzuschreiben. Vielmehr geht es darum, gemeinsam mit ihnen Fragen zu stellen, Unterschiede zu entdecken und darüber ins Gespräch zu kommen. Wenn ein Kind etwa fragt, warum jemand anders aussieht, anders spricht oder sich anders verhält, ist das kein Tabu, sondern eine Chance. Pädagogische Fachkräfte greifen solche Momente auf, erklären altersgerecht und fördern Empathie. Ganz ohne moralischen Zeigefinger – dafür mit viel Offenheit und manchmal auch einer Prise Humor.

Ein Gewinn für die ganze Kita-Gemeinschaft
Nicht nur Kinder profitieren von diesem Ansatz. Auch für Eltern und Fachkräfte eröffnet die vorurteilsbewusste Arbeit neue Perspektiven. Sie lädt dazu ein, eigene Denkmuster und Routinen zu reflektieren und voneinander zu lernen. In den ASB-Kitas wird dieser Prozess aktiv begleitet: durch Fortbildungen, Teamreflexionen und den kontinuierlichen Austausch im Alltag. So entsteht eine Kita-Kultur, in der sich alle willkommen fühlen – unabhängig von ihrem Hintergrund.
Gemeinsam stark für die Zukunft
Eine vorurteilsbewusste Kita ist mehr als ein pädagogisches Konzept – sie ist ein Beitrag zu einer offenen und solidarischen Gesellschaft. Kinder, die sich schon früh – so wie sie sind – sicher fühlen, gehen gestärkt ihren Weg und stehen auch anderen empathisch gegenüber. Oder anders gesagt: Wer schon im Sandkasten Vielfalt erlebt, wird auch im späteren Leben besser miteinander auskommen. Und genau das ist doch ein Ziel, das wir alle teilen.
Kinder fühlen sich nicht anders als Erwachsene, wenn ihre Rechte missachtet und ihre Grenzen verletzt werden. Zudem sind sie abhängig von ihren erwachsenen Bezugspersonen. Umso wichtiger ist es, dass die Bezugspersonen die Kinderrechte kennen, sie achten, an die Kinder weitergeben und für sie erlebbar machen.
Die ASB-Kitas in Schleswig-Holstein sind Orte, an denen Kinder ihre Rechte kennen. Und somit Orte, an denen sich Kinder (oder stellvertretend die Erwachsenen) auf diese Rechtsgrundlage beziehen können. Sie können mit dem Finger darauf zeigen, wenn Rechtsverletzungen passiert sind, sie eine Beschwerde haben oder ein Recht einfordern wollen.
Kinder nicht nur informieren, sondern beteiligen
Eine Fachkraft der Kita Konfetti hat im Rahmen ihrer Qualifizierung zur „Fachkraft für demokratische Partizipation“ gemeinsam mit den Kindern ein Projekt zum Thema „Kinderrechte“ durchgeführt. Kinder lernen am besten, wenn sie mitgestalten und sich das Thema neugierig und in Gemeinschaft erschließen können. So informierte die Mitarbeiterin die Kinder nicht nur über ihre Rechte, sondern ließ die Kinder selbst herausfinden, was Kinderrechte sind und wie diese formuliert werden können. So riefen die Kinder beispielsweise selbst bei der Polizei an, um zu erfragen, ob die Kolleg:innen dort weiterhelfen könnten. Auch ein Besuch in der Bücherei, bei dem die Kinder selbst erfragten, welche Bücher ihnen etwas über ihre Rechte beibringen könnten, gehörte zum Projekt.
In Gemeinschaft aufeinander aufpassen
Nicht nur Kinder profitieren von diesem Ansatz, indem sie lernen, wie wertvoll sie sind. Auch die Fachkräfte machen sich immer wieder bewusst, an welchen Stellen Rechtsverletzungen passieren und in welcher Verantwortung sie stehen, die Kinder an diesen Stellen zu schützen. Indem die Rechte besprechbar und sichtbar gemacht werden, werden auch den Eltern neue Perspektiven eröffnet. Alle werden ermutigt, mit einem wachen Blick auf eigene Verhaltensweisen und Auswirkungen von Verletzung persönlicher Grenzen auf Kinder zu schauen. Dies bildet die Grundlage dafür, in Gemeinschaft auf Kinder aufzupassen, sodass sie sich gesund entwickeln können. Dabei handelt es sich nicht nur um Partizipation, sondern gelebten Gewaltschutz.
Text: Fachreferat Kitas des ASB-Landesverbandes Schleswig-Holstein