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Ralf Hennig (Mitte) bei der Schulung der Bevölkerung in Hygiene- und Präventionsmaßnahmen.

Vom Alltag in den Ausnahmezustand

Warum sich Ralf Hennig auch im Ehrenamt für den ASB engagiert

„Wir waren außerhalb jeder Zivilisation: kein Strom, keine Wasserleitungen, keine funktionierende Gesundheitsinfrastruktur. Und mittendrin ein Cholera-Ausbruch“, beschreibt Ralf Hennig die Situation in Mosambik. Der 54-Jährige arbeitet im normalen Leben als Bereichsleiter Rettungsdienst beim ASB Südhessen. Vom 20. Februar bis zum 3. März war Hennig jedoch mit FAST, dem internationalen Schnelleinsatzteam des ASB, als Ehrenamtlicher im Nordwesten Mosambiks.

Nach wochenlangen Regenfällen und großflächigen Überschwemmungen waren dort durch verunreinigtes Trinkwasser Cholera und andere Durchfallerkrankungen ausgebrochen. „Unsere Aufgabe war es, eine noch größere Verbreitung zu verhindern“, erklärt Ralf Hennig. Gemeinsam mit lokalen Helferinnen und Helfern installierte das ehrenamtliche FAST-Team in einem Dorf mit rund 4.000 Menschen Wasserfilter und baute einfache Behandlungshütten aus Stöcken und Planen auf. Dort erhielten Erkrankte sauberes Trinkwasser und Elektrolytlösungen.

Parallel dazu schulten die Einsatzkräfte die Bevölkerung im Betrieb der Cholera-Stationen, in der Wartung der Wasserfiltersysteme sowie in Hygiene- und Präventionsmaßnahmen. Ein vom ASB finanzierter und bereitgestellter Wasserfilter liefert inzwischen 200 Liter sauberes Trinkwasser pro Stunde. „Am Ende sieht man, dass die eigene Arbeit einen Unterschied macht. Und das ist eine starke Motivation“, sagt Hennig. „Wir unterstützen die Menschen mit Hilfe zur Selbsthilfe und stärken langfristig die Gesundheitsversorgung.“

Vom Zivildienst zum Rettungsdienst und zu internationalen Einsätzen
Dass er einmal in internationalen Krisengebieten arbeiten würde, hatte Ralf Hennig nicht geplant. Eigentlich wollte er als junger Mann zur Seenotrettung. Nachdem sich dieser Plan zerschlagen hatte, suchte er nach einer anderen Möglichkeit für seinen Zivildienst. „Meine Mutter hatte die ASB-Mitgliederzeitschrift in der Wohnung liegen, und als Jugendlicher habe ich sie hin und wieder durchgeblättert“, erinnert er sich. So fand er schließlich seinen Weg zum ASB.

1991 war es dann so weit. Hennig begann seinen Zivildienst beim ASB – und blieb. „Ich sage zum Spaß immer, ich mache seit 35 Jahren Zivildienst“, lacht er. Zunächst arbeitete Hennig im Rettungsdienst: erst als Rettungssanitäter, später als Rettungsassistent und schließlich als Notfall-sanitäter. Parallel bildete er Nachwuchskräfte aus, wurde Praxisanleiter und unterrichtete angehende Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter.

Heute ist Hennig Bereichsleiter Rettungsdienst beim ASB Südhessen. Er koordiniert fünf Rettungswachen in drei Landkreisen und sorgt dafür, dass die Einsätze in der Region funktionieren.

Einsätze rund um die Welt
Der Schritt in die internationale Hilfe kam später. Ein prägender Moment war die Flüchtlingsbewegung 2015. Hennig unterstützte damals medizinische Teams in Notunterkünften.

Kurz darauf absolvierte er die Ausbildung für die FAST-Einheit des ASB. Sein erster Auslandseinsatz führte ihn 2022 in die Slowakei, an die Grenze zur Ukraine. Internationale Samariterorganisationen betreuten dort Geflüchtete.

„Der Teamgeist ist das, was mich bei allen Einsätzen beeindruckt und antreibt und mir gleichzeitig Sicherheit gibt“, sagt Hennig. Viele Erfahrungen aus dem Rettungsdienst helfen ihm auch im Ausland. Man müsse lernen, mit Situationen umzugehen, wie sie sind. Er vergleicht das gern mit seinem Hobby, dem Segeln: „Du kannst dir den Wind nicht aussuchen. Du musst mit dem arbeiten, was gerade da ist.“

Eindrücke, die Spuren hinterlassen
Einsätze in Krisengebieten hinterlassen Spuren. Auch darüber spricht Ralf Hennig offen. „Manche Dinge gehen einem nahe – und das ist auch ganz normal“, sagt er. Besorgniserregend wäre es aus seiner Sicht, wenn solche Erfahrungen gar keine Emotionen mehr auslösen würden. „Wenn alles einfach abperlen würde, wäre das langfristig problematischer.“

„Dabei ist die Nachsorge ein wesentlicher Bestandteil, um die seelische Gesundheit der Einsatzkräfte zu schützen“, unterstreicht er. „Der ASB stellt sicher, dass wir mit strukturierten Nachsorgeangeboten die nötige Unterstützung erhalten.“

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Ralf Hennig begann 1991 als Zivildienstleistender beim ASB Darmstadt.

Text: Dorothee Faißt

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