Brandenburg

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Brandenburger Einheiten übernahmen während der Übung einen Teil der Patientenversorgung.

Im Ernstfall zählt das Zusammenspiel

Wie der ASB in Brandenburg Zivilschutz neu denkt

Ob bei Stromausfall, Unwetter oder Großschadens­lage – Katastrophenschutz entsteht durch verlässliche Strukturen, eingeübte Abläufe und gemeinsamen Verantwortungswillen. Für den Arbeiter-Samariter-Bund im Land Brandenburg stand dieser Anspruch in den vergangenen Wochen besonders im Fokus: Auf der Geschäftsführertagung in Teltow, bei der Großübung „Berlin übt“ und als Beobachterteam der NATO-Übung „Medic Quadriga“ am Flughafen BER wurden Weichen gestellt, Erfahrungen gesammelt und Perspektiven geschärft.

Strategische Klarheit
Ein Schwerpunkt der Geschäftsführertagung war das Thema Zivilschutz in ASB-Einrichtungen. Die Diskussionen machten deutlich: Schutzkonzepte müssen künftig regionaler gedacht, enger mit den Landkreisen verzahnt und für Mitarbeitende wie Bewohnende verständlich und finanzierbar sein. Zivilschutz muss dort ansetzen, wo Menschen leben und arbeiten – in Kitas, Pflegeheimen, Sozialstationen, Wohnangeboten und Beratungsstellen.

„Wir betreiben zwei Pflegeheime und eine Sozialstation – und genau dort beginnt Zivilschutz. Wir müssen schauen: Was haben wir? Was können wir nutzen? Was können wir konkret umsetzen? Im Kleinen können wir eine Menge leisten – vor allem für uns selbst, direkt vor der eigenen Haustür“, bringt es Christian Hagemann vom ASB Oberhavel auf den Punkt.

Die Zielrichtung ist eindeutig: Der ASB in Brandenburg will prüfen, was der Verband selbst leisten kann, darauf aufbauend passende Strukturen entwickeln und pragmatische Lösungen finden, ganz nach dem Ansatz: in Krisen Köpfe und Konzepte kennen.

„Viele Themen müssen wir gemeinschaftlich bearbeiten. Der ASB lebt von seiner Vielfalt – und genau das brauchen wir im Zivil- und Bevölkerungsschutz. Wir wissen, dass etwas passieren muss. Die Frage ist: Welche nächsten Schritte gehen wir gemeinsam?“, hält ASB-Landesgeschäftsführerin Cindy Schönknecht als Resümee dieser Tagung fest.

Brandenburger Kräfte bei „Berlin übt“
Wie sich das Arbeiten über Landesgrenzen hinweg im Bereich Katastrophenschutz gestalten kann, konnten Brandenburger Kräfte bei „Berlin übt“ in der Praxis unter Beweis stellen. Sie waren mit vier Fahrzeugen und 22 Einsatzkräften vor Ort. Die Großübung bot den Ehrenamtlichen des ASB Nauen und ASB Rathenow die Gelegenheit, ihre Einsatzfähigkeit unter realistischen Bedingungen zu testen. Zunächst wurden sie zum Aufbau eines Behelfskrankenhauses alarmiert und unterstützten die Berliner Kolleginnen und Kollegen. Schnell stellte man fest, dass mehr Kräfte im Einsatz waren als notwendig. Die Lage wurde neu bewertet, und die Teams aus Brandenburg erhielten einen neuen Auftrag: Aufbau einer Patientensammel­stelle und Übernahme der Patientenbetreuung.

Gruppenführer Marcel Nestler vom ASB Nauen beschreibt die besondere Herausforderung so: „Ich habe schon viele Übungen als Gruppenführer begleitet – aber hier hatten wir es mit vielen Kolleginnen und Kollegen zu tun, die wir nicht kannten. Die größte Herausforderung war, den Überblick zu behalten und alles zu managen. Diese große Aufgabe zu erfüllen, macht mich unfassbar stolz und bereitet mir unglaublich viel Freude. Gleichzeitig erzeugt es natürlich Druck, weil ich jedem gerecht werden möchte. Genau dafür sind solche Übungen da: damit wir daraus lernen können.“

Beobachter bei „Medic Quadriga“
Auch die NATO-Übung „Medic Quadriga“ am Schönefelder Flughafen bot wertvolle Einblicke. Mit über 1.000 beteiligten Soldatinnen und Soldaten sowie etwa 250 zivilen Übungsteilnehmenden von Bund, Ländern und nicht staatlichen Organisationen war Medic Quadriga 2026 die größte und komplexeste Übung des Sanitätsdienstes seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Erstmals wurden im großen Stil der Patiententransport nach Deutschland und die dortige weitere Patientenversorgung trainiert – und damit auch die letzten Glieder der Rettungskette.

Geübt: das Zusammenspiel ziviler und militärischer Strukturen.

Alexander Kohl, Geschäftsführer des ASB Spreewald, und ASB-Landesgeschäftsführerin Cindy Schönknecht verfolgten den Aufbau eines multinationalen Health Care Hubs und das Zusammenspiel ziviler und militärischer Strukturen. „Die Übung zeigte, wie komplex medizinische Versorgung im Bündnisfall ist – und welch wichtige Rolle zivilgesellschaftliche Organisationen wie der ASB dabei spielen. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass insbesondere Ausbildung und Ausstattung im Zivilschutz weiterentwickelt werden müssen, um mit hochkomplexen Szenarien Schritt zu halten“, so Alexander Kohl. Am Ende müssen die Menschen auch selbst Verantwortung übernehmen – Katastrophenschutz funktioniert nur, wenn jeder sich dieser Pflicht bewusst ist.

Fazit: Stärke entsteht nur ­gemeinsam
Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben gezeigt: Der ASB in Brandenburg gestaltet den Zivilschutz aktiv – in strategischen Prozessen, in operativer Übungspraxis und in enger Zusammenarbeit mit seinen Partnern. Denn am Ende geht es um das, was alle drei Ereignisse verbindet: Menschen zu schützen. Menschen zu sensibilisieren. Gemeinsam. Für den Ernstfall.

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Boris Michalowski, Fachdienstleiter Katastrophenschutz ASB Berlin (vorne links), berichtete auf der Geschäftsführertagung aus der Praxis.

Text: Nadine Koberstein