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Wir im ASB

Liebe Samariterinnen und Samariter,

Sizilien ist für viele ein Sehnsuchtsort: beeindruckende Landschaften, antike Stätten, lebendige Städte und eine Küche, die ihresgleichen sucht. Doch nur wenige Kilometer vor der Küste zeigt sich eine andere Realität – eine Realität von Überleben und Sterben auf einer der tödlichsten Fluchtrouten der Welt.

Vor Syrakus habe ich die „Humanity 1“ der Organisation SOS Humanity besucht. Dieser Besuch hat mir noch einmal vor Augen geführt, wie konkret das ist, worüber wir in Deutschland oft abstrakt sprechen. Es geht nicht um Zahlen oder Debatten – es geht um Menschen, die in Seenot geraten und darauf angewiesen sind, dass ihnen geholfen wird.

Und doch erleben wir, dass genau diese Hilfe zunehmend erschwert wird. Zivile Seenotrettung wird behindert – durch gesetzliche Regelungen, durch Festsetzungen von Schiffen und durch politische Entscheidungen, die Einsätze verzögern oder unmöglich machen. Gleichzeitig bleibt das zentrale Mittelmeer eine der gefährlichsten Fluchtrouten weltweit.

Die Fakten sind bekannt: Seit 2014 sind mehr als 33.000 Menschen im Mittelmeer gestorben oder gelten als vermisst. Diese Zahl steht für ein Versagen, das wir nicht länger hinnehmen dürfen.

Für mich ist deshalb klar: Seenotrettung ist keine politische Option, sondern eine humanitäre Pflicht. Wer Menschen in Seenot rettet, handelt nicht politisch, sondern menschlich. Diese Verantwortung darf nicht relativiert oder delegitimiert werden.

Umso kritischer ist es zu bewerten, dass staatliche Unterstützung für zivile Seenotrettungsorganisationen zurückgefahren wird. Damit wird nicht nur ein wichtiges Signal der Solidarität geschwächt – es widerspricht auch dem Anspruch, humanitäre Verantwortung ernst zu nehmen.

Ich bin überzeugt: Solange es keine sicheren und legalen Wege nach Europa gibt, werden Menschen weiterhin gezwungen sein, lebensgefährliche Routen zu wählen. Deshalb braucht es endlich eine europäisch koordinierte Seenotrettung. Menschenleben zu retten, darf nicht allein der Zivilgesellschaft überlassen werden.

Der ASB steht seit vielen Jahren an der Seite von Organisationen wie SOS

Humanity. Nicht weil es ein eigenes Projekt ist, sondern weil es Teil unseres Selbstverständnisses ist. Mein Besuch vor Syrakus hat mir noch einmal deutlich gemacht: Verantwortung beginnt nicht erst dort, wo es einfach ist. Sondern dort, wo es notwendig ist.

Ihr

Fleckenstein-Unterschrift

Knut Fleckenstein,
ASB-Bundesvorsitzender